Blogpost-MeinWarumfuerLektorat_Schreibbegleitung_ergebnis_ergebnis

Mein Manifest an meine Arbeit und warum ich sie gewählt habe.

Lektorat, Schreibbegleitung und Coach, was will ich damit eigentlich bewirken? Mit dieser Frage habe ich mich in den vergangenen Monaten immer wieder beschäftigt.

Denn natürlich geht es bei meiner Arbeit um Texte, Geschichten und das Schreiben selbst. Aber eigentlich geht es noch um etwas anderes: Menschen dabei zu unterstützen, ihren eigenen Weg mit ihrer Geschichte zu finden.

Ich begleite Schreibende an unterschiedlichen Punkten. Manche haben nur eine Idee im Kopf und wissen nicht, wie sie anfangen sollen. Andere stecken mitten im Schreiben fest oder verlieren sich zwischen Plotmodellen, Schreibratgebern und Selbstzweifeln. Und manche halten bereits ein fertiges Manuskript in den Händen und fragen sich, wie es jetzt weitergeht.

Was ich dabei bewirken möchte? Dass Menschen ihre Geschichte nicht aufgeben, nur weil der Weg dorthin manchmal kompliziert wird.

Was, wenn es nicht gut genug ist?

Diese Frage war lange der stetige Begleiter meiner kreativen Feder. Ich war die ewige Zweiflerin an meinen eigenen Texten. Ich wusste, dass ich Geschichten zu erzählen habe und sie gelesen werden sollten. Doch in mir war eine Schreckgestalt, die mich zurückhielt.

Schon seit meiner Kindheit begleiten mich Bücher, Kunst und Musik. Die Bücherei im Ort war meine erste Anlaufstelle. Stunden konnte ich dort verbringen. Früher las mein Vater abends vor. Ich erinnere mich noch an die Pippi-Langstrumpf-Bücher mit blauem Buchdeckel und an Kinderbücher, deren Geschichten ich bis heute erzählen kann.

Als ich selbst zu lesen begann, hatte ich verschiedene Genrephasen. Historische Romane, Sachbücher und Facharbeiten über besondere geschichtliche Ereignisse faszinierten mich. Damals war ich überzeugt, Historikerin zu werden. Fantasy wurde später immer bedeutender.

Mit sechzehn entdeckte meine Mutter eine Anzeige in der Zeitung. Eine Journalistin wollte gemeinsam mit Wortliebhabern eine Autorengruppe gründen. Ich fasste mir ein Herz und ging zu diesem Treffen. Für mich war das eine der aufregendsten Zeiten.

Anfangs waren wir nur zu dritt, doch die Gruppe wuchs langsam weiter. Wir tauschten Texte aus, lasen sie vor und gaben Rückmeldungen. Zwischen Berufsautoren, Journalisten und Menschen, die ihre Lebensgeschichte verarbeiteten, lernte ich unglaublich viel. Unser ältestes Mitglied war über neunzig Jahre alt und hatte entsprechend viel zu erzählen.

Gemeinsam probierten wir verschiedene Schreibtechniken aus und veranstalteten Lesungen. Dort wurde mir klar: Ich will in dieser Buch- und Schreibwelt arbeiten.

Nach mehreren Praktika in Buchhandlungen entschied ich mich nach dem Abitur für eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Ich war überzeugt, irgendwann einmal eine eigene Buchhandlung zu haben. Doch das Leben führte mich zunächst woanders hin. Ich studierte BWL mit Finanzschwerpunkt und landete schließlich in der IT-Branche.

Das Schreiben blieb trotzdem immer ein Teil von mir. Neben Gedichten schrieb ich Kurzgeschichten und arbeitete an meinem Roman. Auch das Überarbeiten von Texten und die Unterstützung anderer beim Schreiben lagen mir schon immer.

Wenn ich früher sagte, dass ich schreibe, kannte ich die Reaktion oft schon vorher.

„Ich schreibe an einem Roman.“ „Echt?“ „Ja.“ „Und was schreibst du so?“ „Einen Fantasy-Dystopie-Roman.“ „Ach so.“

Jedes Mal war die Sorge da, jemand könnte meine Leidenschaft als Träumerei abtun. Als wäre das Schreiben eines Romans etwas, das man mit einem netten Nicken abfertigt. Menschen, die gönnerhaft lächeln und mit einem „Ach, du schreibst?“ reagieren.

Irgendwann wurde mir klar: Wenn ich meine Träume nicht lebe, laufen sie mir davon.

Also habe ich diese fiese Gestalt in einen Käfig gesperrt, den Schlüssel weit weggeworfen und mich getraut, sichtbar zu werden. Mit dem, was ich liebe: Schreiben, Geschichten und kreatives Arbeiten mit Menschen.

Das Engel-Teufel-Imposter-Syndrom kenne ich bis heute. Ich gehe nur mittlerweile anders damit um.

Was ich mit Schreibbegleitung bewirken will

Als ich begonnen habe zu schreiben, gab es nur wenige Schreibratgeber und noch weniger Blogs oder Websites über das Schreiben. Heute gibt es unzählige Methoden, Theorien und Strukturmodelle. Doch all dieses Wissen hilft wenig, wenn man nicht weiß, wie man es auf das eigene Projekt anwenden soll.

Mir ging es oft genauso. Ich saß stundenlang vor Plotmodellen und versuchte herauszufinden, ob ich alles richtig mache. Ich hatte ständig das Gefühl, meine Idee reicht nicht aus und wusste oft nicht, woran es eigentlich scheitert.

Damals war ich häufig allein mit meinen Fragen. Das soll für andere Schreibende anders sein.

Denn keine Arbeitsweise gleicht der anderen. Nicht jeder Mensch schreibt gleich, entwickelt Figuren gleich oder plant Geschichten auf dieselbe Weise. Genau deshalb darf Schreibbegleitung für mich kein starres Schema sein.

Es geht darum, gemeinsam herauszufinden:

  • Wo stehst du gerade?
  • Wie arbeitest du?
  • Was benötigst du?
  • Welche Kreativitätstechniken passen zu dir?

Auch wenn man die Heldenreise am Beispiel von Rotkäppchen verstanden hat, sieht der eigene Roman am Ende trotzdem komplett anders aus.

Mein Motto lautet: Dein Roman. Dein Takt. Dein Tanz.

Ich möchte Wortliebhaber auf ihrem Weg zum Buch begleiten. Ohne Belächeln. Ohne das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Sondern mit jemandem an ihrer Seite, der auf Augenhöhe mit ihnen spricht.

Was ich mit Coaching bewirken will

Persönliche Erfahrungen haben mich gelehrt, mutiger zu werden und dem zu folgen, was mich wirklich erfüllt. Deshalb meldete ich mich bei der Romanschmiede zur Masterclass an.

Ich wollte aufhören, nur an meinem Roman herumzudenken und wirklich lernen, ihn zu schreiben. Dort haben wir sehr intensiv an Szenen gearbeitet. Wir haben einander Rückmeldung zum Text gegeben, sprachen über Aufbau, Emotionen und darüber, warum manche Stellen funktionieren und andere noch nicht.

Und genau dort kam dieser Klickmoment. Dieses Gefühl von: Genau das will ich machen.

Mit Menschen an Geschichten arbeiten. Gemeinsam hinschauen. Fragen stellen und dem Autor Impulse zum Umdenken mitgeben. Im Coaching geht es mir nicht darum, zu sagen, wie und was im Text anders gemacht werden muss. Im Coaching will ich dabei unterstützen, einen eigenen Weg zu finden. Denn wir arbeiten nicht alle gleich.

Der eine benötigt Struktur, der andere zunächst Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein. Manche plotten jedes Detail durch, andere entdecken ihre Geschichte erst beim Schreiben. Viele Schreibende kämpfen zusätzlich mit diesem dauernden Gedankenkarussell, ihre Idee reiche nicht aus.

Ich kenne das selbst. Dieses Engel-Teufel-Imposter-Syndrom sitzt immer noch neben mir am Schreibtisch. Ich höre ihm nur nicht mehr so bereitwillig zu wie früher.

Wir sind nicht alle Stephen King. Aber auch Stephen King war nicht immer Stephen King. „Carrie“ landete zuerst im Mülleimer, bevor seine Frau das Manuskript wieder herausholte. Jeder fängt schließlich klein an.

Im ersten Schritt ist das Ziel eine Rohfassung und nicht um der fertige Roman.

Was ich mit Lektorat bewirken will

Und wenn du die Rohfassung hast, beginnt der zermürbende Prozess des Überarbeitens. Doch die Mühe lohnt sich, denn allmählich wird aus einer Rohfassung ein Manuskript.

Du lässt dir von Testlesern Rückmeldungen geben, versuchst das Beste herauszuziehen, und leitest damit die Überarbeitung vor dem Lektorat ein.

Feedback hilft bei der Reflexion. Doch ob du eine Anmerkung annimmst, bleibt am Ende deine Entscheidung.

Als ich begann, meine Texte in die Außenwelt zu entlassen, fiel es mir nicht leicht, mit den Anmerkungen am Rand meiner Szenen umzugehen. In mir sträubte sich etwas, war bereit für Widerstand. Natürlich war mir klar: Das hier ist keine Kritik. Jemand hat etwas bemerkt und will gemeinsam mit mir das Beste aus dem Text herausholen. Natürlich hat man als Autor blinde Flecken. Wir leben ein zweites Leben in dieser Geschichte – für uns ist alles glasklar.

Heute lese ich die Rückmeldungen, schließe den Laptop und lasse die Gedanken einen Tag liegen. Diese Zeit hilft mir, vom Verteidigungsmodus in den Lernmodus zu wechseln.

Ich möchte, dass Autorinnen nach einem Lektorat wissen, wie sie weiterarbeiten können. Keine vagen Kommentare, sondern konkrete nächste Schritte.

Es gibt von mir kein Rotstiftmassaker. Du musst nicht in den Verteidigungsmodus gehen. Deine Geschichte bleibt deine Geschichte. Ich bin dabei dein Kompass – nicht am Steuer.

Deshalb habe ich Seitentanz gegründet.

Was ist mein Vermächtnis?

Ich will, dass jeder mit einer Idee, einer Vision seine Geschichte in die Welt entlässt. Damit Leser da draußen vergnügliche Stunden erleben, Abenteuer miterleben oder von Lebenserfahrungen lernen können.

Jeder Mensch, der eine Geschichte zu erzählen hat, sollte die Chance bekommen, sie aufzuschreiben. Mutig, im eigenen Tempo, ohne sich entmutigen zu lassen.

Viele Geschichten verdienen einen Platz im Bücherregal. Nicht nur Fantasy. Auch schwere Geschichten, echte Erfahrungen, Texte die Verarbeitung sein können.

Manche Geschichten helfen dabei, Dinge auszusprechen, für die es vorher keine Worte gab.

Die Geschichten, die nie erzählt werden, sind die einzigen, die wirklich verloren gehen.

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